Lernszenario: Mediengestützte Simulation in der dualen Ausbildung

Open Course 2011: Woche 6 (6. – 12. Juni): Wo wir heute stehen. Nutzungs- und Lernszenarien.

In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen mit einem Lernszenario beschreiben und anschließend daraus meine Rückschlüsse auf mögliche zukünftige Entwicklungen ziehen.

Von 2003-2005 war ich an einem Forschungsprojekt zum Thema „Neue Lernkonzepte in der dualen Berufsausbildung“ beteiligt. Das vom BMBF geförderte Projekt sollte im Rahmen eines Modellversuchs ein neues mediales Lernkonzept für Auszubildende im Kfz-Gewerbe untersuchen. Zielsetzung war es, bereits während der Ausbildung Kompetenzen in ausbildungsrelevanten Lernfeldern, sowie das selbstständige Ausführen der hierzu nötigen Arbeitsprozesse zu vermitteln.

Folgende Faktoren spielten für das Lernszenario eine wichtige Rolle:
  • Arbeitsprozessorientierung
  • Selbstständiges und selbstorganisiertes Handeln
  • Berufliche Handlungsfähigkeit und Gestaltungskompetenz
  • Ganzheitliches Lernen

Zu einem Modellversuch des Forschungsvorhabens kam es wegen technischer Barrieren sowie mangelnder Akzeptanz leider nicht, doch konnte während der Inhaltserstellung und Erprobung des Systems viele wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.

Mein Fazit

  • Es ist nur bedingt möglich, standardisierte Inhalte in einer dreidimensionalen Autohaus-Lern-Simulation bereitzustellen, da die Prozesse in jedem Autohaus anders funktionieren. Dies würde die Lerner verwirren und wäre zu unflexibel. Die Auszubildenden sollen ja befähigt werden, in Ihrem Betrieb eigenverantwortlich mitzuarbeiten. Da reicht es nicht, wenn sie ein exemplarisches Autohaus gezeigt bekommen.
  • Um Inhalte in einer Simulation realitätsnah zu erstellen ist einiges an Vorarbeit nötig. Es werden Gegenstands- und Verhaltensbibliotheken benötigt. Das System gelangt dort an seine Grenze, wo in der Bibliothek die ensprechenden visuellen Assets nicht zur Verfügung stehen. (z.B. Drucker, Telefon, Formular, Uhr. etc.)
  • Die Lerner können ihre Inhalte nicht selbst erstellen. Zielsetzung ist zwar, sie zu selbstorganisiertem Lernen zu befähigen. Doch braucht es Vorgaben. Diese sind in einer Simulation sehr komplex und müssen in sich stimmig sein, insbesondere dann wenn mit vielen Sub-Prozessen oder Prozess-Querverbindungen gearbeitet wird. Und das ist bei einer kompletten Autohaus-Simulation der Fall.
  • Die Erstellung von individuellen Lerninhalten in einer 3D-Simulation sind sehr aufwändig, selbst dann wenn ein entsprechendes 3D-Autorentool zur Verfügung steht. Es stellt sich die Frage ob der Aufwand für Autohaus xy mit 4 Mitarbeitern und einem Lehrling lohnt.
  • Es stellt sich außerdem die Frage, in wie weit eine solche Simulation tatsächlich den gewünschten Lernerfolg vermittelt. Sie kombiniert zwar Prozesse, Lernfelder und Hintergrundinformationen zu einem einzigartigen Lernszenario, wie es in der Realität so nicht möglich wäre, es gibt aber auch noch Herausforderungen wie z.B. die Schaffung entsprechender Anreizsysteme für die Auszubildenden, vor allem aber die Akzeptanz der Entscheider in den Autohäusern für diese neue Lernform.

Aus den genannten Gründen halte ich eine Lern-Simulation für ein komplettes Autohaus (aber auch für vergleichbare Szenarien) für zu komplex und schwierig. Aufwand und Nutzen stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zueinander. Denkbar und vielversprechend wären aber einfacher zu realisierende Teil-Simulations-Lösungen, die in andere Lern-Systeme eingebettet sind.

Quellen:

Sabine Hueber (2004) Simulation von Geschäftsprozessen. Seite 25, 26. Kapitel 2.7. Online in Internet: URL: http://www.designeon.com/wp-content/uploads/2012/06/GRIS_DGM_Jahresbericht2004.pdf(Stand 2004).

Link zum GRIS_DGM_Jahresbericht 2004

Link zur VAH Demo

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