Ein Community-Manifest als krönender Abschluss für das erste Onkomm-Barcamp

Gestern fand im Web Literacy Lab die letzte Gruppenarbeitsphase vor der Weihnachtspause statt. Am 15. Januar ist bereits Abschlusspräsentation. Die zwölf Gruppen des über achzig Personen starken Semesters werden ein Manifest für die Onkomm-Community präsentieren.

Erfahrungswissen teilen, lautet die Devise bei der Erstellung des Manifests. Bei den Präsentationen stehen Ideenreichtum und Originalität im Fokus. Zunächst stellen die Gruppen ihr Konzept vor. Anschließend soll ein Community-Manifest für die gesamte Onkomm-Community gewählt werden. Der Extrakt aus geballter Erfahrung von über achzig online sowie offline miteinander interagierenden Personen.

“Ein Manifest als Medium zum Erfahrungs-Transfer”, könnte man kritisch hinterfragen, “kann das funktionieren?” In der Wikipedia wird der Begriff Manifest so definiert: “Ein Manifest (lateinisch manifestus ‚ handgreiflich gemacht‘) ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten”.

Typische Lernsituation – Twittern erlaubt. #onkomm (Foto: Britta Hüning)

Typische Lernsituation – Twittern erlaubt. #onkomm (Foto: Britta Hüning)

Grundlage der Aufgabenstellung ist die These, dass sich Gruppenregeln, -Normen und -Werte durch Interaktion nach einer Weile selbstorganisiert entwickeln und ausbilden. Dieser Gruppendynamik bin ich auf der Spur. Ich hoffe, dass sie sich in den Konzepten der Studierenden manifestieren.

Dabei spielt es eine große Rolle, dass die Studierenden die Barcamp-Sessions nicht für einen Kurs vorbereiten, der hinter verschlossenen Türen stattfindet. Die Inhalte aus den Sessions werden der gesamten Onkomm-Community, und darüber hinaus auch auf Twitter und Blogs einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das erfordert ein Gefühl dafür, welche “öffentlichen Äußerungen” im Rahmen einer Community sinnvoll sind und welche nicht. Dies wiederum liefert Hinweise für den konstruktiven Umgang untereinander, in Online- wie in Offline-Lernräumen.

Absichtlich wurden wenig Vorgaben gemacht, wie das Manifest aussehen soll. Es wird auch kein Anspruch auf Vollständigkeit gelegt. Ziel ist es, auf Basis der in der Veranstaltung gemachten Erfahrungen eigene kreative Prozesse in Gang zu setzen und sich Gedanken darüber zu machen, was wirklich zählt und was im Rahmen effizienter Gruppenprozesse hinderlich ist. Die Begrenzung auf 10 Punkte erfordert klare Prioritäten.

 Präsentieren in einer #onkomm Barcamp-Session. Teilnehmende (auch die Dozenten) sitzen im Publikum, hören zu, twittern und beteiligen sich an der Diskussion. (Foto Britta Hüning)


Präsentieren in einer #onkomm Barcamp-Session. Teilnehmende (auch die Dozenten) sitzen im Publikum, hören zu, twittern und beteiligen sich an der Diskussion. (Foto Britta Hüning)

Für alle Teilnehmenden waren in den Barcamps und deren Vorbereitungs-Sessions sehr viele individuelle Erfahrungen dabei, aber auch solche die sich aufgrund des gemeinsamen Erfahrungshorizontes ähnelten.

Das Erarbeiten von komplexen und völlig unbekannten Themengebieten in einer ebenso (noch) unbekannten Gruppe ist eine Herausforderung. Teambildungsprozesse kommen in Gang. Wenn alles gut läuft, stellt sich nach einer Weile das Gefühl von “Flow” ein. Wenn etwas nicht gut läuft, hat die Gruppe einen Lernanlass.

Lernanlässe gab es in diesem Lern-Setting naturgemäß sehr viele. Die Gruppen mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Sessions vorbereiten. Es war schwierig, die sechs bis sieben Gruppenmitglieder zeitlich und inhaltlich unter einen Hut zu bekommen. Spontanes Handeln war angesagt. Für lange Planungen gab es keinen Spielraum. Bereits getroffene Pläne mussten aufgrund geänderter Bedingungen immer wieder verworfen werden. Jeder/Jede wurde aus der Reserve gelockt und stieß ein Stück weit an seine/ihre Grenzen.

Wir hatten beispielsweise Gruppen deren Barcamp-Sessions nur wenig bis garnicht besucht waren. Bei anderen gab es Konflikte, die mithilfe von Coaching oder aus eigener Kraft gelöst wurden. Es gab viele sehr stressige Situationen, die gemeistert sein wollten. Es wurden Tweets gesendet, die auf wenig Anklang in der Community stießen oder sogar Shitstorms auslösten. Alle Teilnehmenden konnten ihre persönliche Verantwortung für das Wohlergehen und die Weiterentwicklung der Community spüren.

Ähnliche Situationen werden die Studierenden im Berufsleben ebenfalls vorfinden. Hier können sie sich im “Schonraum” Uni erproben, die Dynamik funktionierender Community-Arbeit inclusive der dazugehörenden Onlinekommunikation ergründen und das daraus gewonnene Erfahrungswissen an andere weitergeben.

Ich bin beeindruckt, wie professionell und konstruktiv mit teilweise wirklich massiven Herausforderungen in der Community umgegangen wurde und freue mich jetzt schon auf die Präsentation der Manifeste. Es wird noch zu bestätigen sein, ob sich ein Manifest tatsächlich zur Weitergabe von Erfahrungen eingnet, aber ich bin zuversichtlich.

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