cMOOCs gestalten: Warum ein xMOOC die Bezeichnung MOOC nicht verdient

Claudia Bremer hat mir folgende Frage gestellt:

Du schreibst: “Ich habe allerdings mit dem Begriff xMOOC nach wie vor ein wenig Probleme, denn die Kurse von Coursera, Udacity, etc. sind für mich keine MOOCs. Es fehlen mir wesentliche Komponenten” .. welche sind das denn genau?

Mit so was kommen wir den Elementen eines MOOCs ja noch weiter auf die Spur…

Daraus resultierten ein paar Überlegungen zur Didaktik von MOOCs

Wenn man es genau nimmt, dann bezeichnet Massive Open Online Course ja eigentlich nur, dass:

1. viele Personen beteiligt sind
2. der Kurs für alle Teilnehmer offen ist
3. der Kurs online stattfindet

Zweifelsfrei trifft das für einen xMOOC zu. Die Bezeichnung an und für sich ist also nicht verkehrt. Doch glaube ich, dass hier versucht wird, Elemente des traditionellen Online Lernens aufzugreifen, um alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Das kann aus meiner Sicht nicht gut gehen.

Es wird versucht, eLearning das in großen Firmen als Pflichtprogramm bei Standard-Trainings gehandelt wird (z.B. Compilance oder Sicherheit oder Word-Trainings etc.), nun auf andere Kontexte wie Universitäten oder den “freien Lernmarkt” zu übertragen. Als Belohnung winkt ein kostenpflichtiges Zertifikat, welches einen motivationalen Aspekt liefern soll.

Es melden sich bei diesen Kursen zwar tausende Personen an, doch die Zahl der Abschlüsse ist verheerend gering. Da liegt die Vermutung nahe, dass es für Lerner/innen möglicherweise gar nicht angenehm ist, einen so gestalteten Kurs zu besuchen. Da hilft nicht einmal die Aussicht auf ein Zertifikat. Und auch die Vorträge von renommierten Experten können zwar anfangs Begeisterung auslösen, helfen aber nicht dabei, Lerner so weit zu aktivieren, die nötige Motivation aufzubringen, bis zum Abschluss des Kurses dabei zu bleiben.

Mal von dem Attribut “Massive” abgesehen, fehlen in einem xMOOC alle Aspekte, die mit Web 2.0 bzw. Web 3.0 zusammen hängen. z.B. Lerncommunity, Austausch, Kollaboration, Konnektivismus. Diese Begriffe sind für mich aber mit der Didaktik eines MOOC grundlegend verknüpft. Was nützt eine Masse, wenn ihr Potenzial nicht genutzt wird.

Der Mehrwert eines MOOCs besteht aus meiner Sicht gegenüber anderen Lernformen im kollaborativen (und wenig steuerbaren) Aspekt. Der Begriff Massive bringt nur dann etwas, wenn eine kritische Masse aufgebaut wird, die sich untereinander bereichert und dadurch ein Potenz-Effekt der in Umlauf gebrachten Information entsteht, was zu vermehrtem individuellem Wissenszuwachs der Teilnehmenden führt. Fällt dieser Aspekt weg, verliert der MOOC seinen Reiz und seine didaktische Grundlage.

Link zum Blog von Claudia Bremer

Eine sehr gute Beschreibung unterschiedlicher MOOC-Arten mit anschließender Diskussion

Interessanter Bericht von Rolf Schulmeister (Rolf Schulmeister hat sich MOOCs aus USA einmal genauer angeschaut und berichtet hier). Danke, Claudia, für den Tipp.

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4 Kommentare zu cMOOCs gestalten: Warum ein xMOOC die Bezeichnung MOOC nicht verdient

  1. Lore Reß sagt:

    Zustimmung. Für mich ist auch das kollaborative Arbeiten, der freie Gedankenaustausch mit anderen ein wesentliches Merkmal eines MOOC.

    • ich habe gerade in Rolf Schulmeisters Film gehört, dass als Didaktisches Mittel in xMOOCs wohl auch eine Art Peer-to-Peer Review eingesetzt wird. Zwei Studenten/innen lesen jeweils die Arbeiten des/der anderen. Aber auch das ist nicht vergleichbar mit dem was entsteht, wenn ca. 150 Leute untereinander Informationen austauschen und kollaboratives Wissen generieren.

      Bleibt die spannende Frage:

      1. Wie kann man etwas mit MOOCs verdienen und dadurch die Qualität auch langfristig sichern?

      2. Wie kann man den c-Aspekt (also das Kollaborative) standardmäßig in Online Kursen so einsetzen, dass es handhabbar und zertifizierbar wird?

  2. Pingback: Was gebloggt wird in W1 | Pearltrees

  3. die Gefahr, dass alter Wein in neuen Schläuchen produziert wird, sehe ich auch. Ich finde für mich die letzten zwei Absätze in Ihren Bericht interessant. Mit dem letzten beschsäcftige ich mich seit drei Jahren ohne etwas von dem Begriff Mooc gehört zu haben. Genauer gesagt mit der Wissensdiagnostik die es ermöglicht beim Teilnehmer die Wissenslücken zu einem Themengebiet zu visualiesieren und ihn dan entsprechend zu den thematischen Punkten leitet die seine Wissenslücken behandeln. Der #MMC13 hat mir dann aufgezeigt, dass ich dieses Konzept auf den MOOC übertragen kann und der Lerner somit seinen persönlichen Lernfortschrittverfolgen kann.

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