Media Management: ein paar Frage- und ein paar Ausrufezeichen

Seit letztem Jahr unterrichte ich im Fachbereich Media Management an der Hochschule RheinMain. Ich habe die Aufgabe, den Studierenden die sich in den ersten zwei Semestern ausschließlich mit Theorie beschäftigt haben, erstmals den praktischen Umgang mit interaktiven Medien nahe zu bringen.

Immer wieder komme ich während meiner Vorlesungen zu der Frage: „Was bedeutet es eigentlich, Medien zu managen?“ Schon allein das Wort „Management“ für das es kein passendes deutsches Wort zu geben scheint, bereitet mir Kopfzerbrechen. Möchte ich tatsächlich davon sprechen, Medien zu managen? Ein solch grausames „Denglisch“ lässt mich innerlich schaudern.

Medien organisieren – das trifft es vielleicht? Aber bei näherem Hinsehen ist auch das nicht passgenau, denn Management bedeutet mehr als bloße Organisation. Es geht um den strategischen Einsatz von Medien unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte, um Unternehmens- oder Organisationsziele zu erreichen.

Media Manager gestalten im späteren Arbeitsleben nicht selbst. Und doch ist es wichtig, dass sie ein umfassendes Verständnis für kreatives Denken mitbringen. Es wird ihre Aufgabe sein, kreative Prozesse zu steuern. Steuern? Das klingt doch schon viel besser.

Kreative Prozesse Steuern beinhaltet auch mit Unvorhergesehenem umgehen zu können

Kreative Prozesse Steuern beinhaltet auch mit Unvorhergesehenem umgehen zu können

Neben strategischer Medienplanung kommt also der Steuerung von Medienprojekten eine ebenso große Bedeutung zu. Den Studierenden das Steuern von Medienprojekten beizubringen ist kein leichtes Unterfangen, denn viele müssen radikal umdenken. Im Bereich kreativer (Lern-)Felder funktioniert Projektmanagement ganz anders, als in „gewöhnlichen“ Softwareprojekten, in denen der Kreativanteil oft viel zu gering ist. Dies rächt sich dann spätestens in der Erprobungsphase und es muss nachgebessert werden. Ich halte es für sehr wichtig, Spezialisten heranzubilden, die Kosten und Nutzen von kreativen Prozessen und Produkten begreifen und sie adäquat in verschiedenste Projekte einzubinden wissen.

Das Geheimnis der Steuerung von Medienprojekten ist der zeitlich genau abgepasste Wechsel zwischen kreativen Freiphasen und dem Einfangen sowie Gewichten aller Impulse, um sie auf ein Ziel hin zu kanalisieren. Mit den kreativen Phasen tun sich in Projekten viele Personen, die mit einer solchen Arbeitsweise nicht vertraut sind schwer.

Ich stelle immer mehr fest, wie wichtig es für die Studierenden ist, das Ziel- und Ergebnisorientierte Denken aufzuweichen, das in Schule und auch an der Uni gang und gäbe war und den Studierenden in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich spicke daher meine Vorlesungen in regelmäßigen Abständen mit kleinen praktischen Einheiten, die kreatives Denken fordern und fördern.

Im praktischen Teil des Seminars führe ich Projektlernen anhand eines fiktiven Auftragsbeispiels durch. Ich gebe Einzelfeedback zu den Arbeiten und nehme dabei abwechselnd die Rolle des Kunden sowie der Zielgruppe/n ein. Bei 40 Studenten und Studentinnen ist eine Aufteilung in Gruppen erforderlich, um dies zu bewältigen.

Die Projektsteuerung in interdisziplinären Teams mit dem Zweck der Ideenfindung durch unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen ist eine spannende Managementaufgabe. Im Bereich Mediensteuerung sind Allrounder gefragt, die ein Verständnis für Technik und Programmierung ebenso mitbringen wie für Betriebswirtschaft, Organisationsentwicklung und nicht zuletzt für kreative Prozesse. Denn wer erfolgreich steuern will muss vorher genau begriffen haben, was er steuert und die entsprechenden Aufgaben selbst bereits routiniert durchgeführt haben.

Weitere Informationen zum Thema Projektlernen

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