Mobile Computing an der Uni

Open Course 2012, Themenbereich II, Tablet Computing: –> Ein Tablet PC ist ein tragbarer Computer, der mittels Touchscreen bedient wird. Ein Tablet PC sollte über eine WLAN Schnittstelle verfügen, für mobiles Surfen im Internet ist UMTS oder eine vergleichbare Technik notwendig.

Tablet-PC sind Laptops sehr ähnlich. Abgesehen vom Touchscreen bietet der Tablet-PC keine nennenswerten Unterscheidungsmerkmale. Hier teile ich die Meinung von Beat Döbeli Honegger. Die einzige Zielgruppe die vom USP des Tablets profitiert sind Kindergarten- und Grundschulkinder. Der Touchscreen in Verbindung mit Bildern eignet sich hervorragend zum spielerischen lernen für Personen die noch nicht lesen können. Die intuitive Bedienung des Touchscreens ermöglicht eine auf rein visuellen Reizen aufgebaute intuitive Interaktivität.

Da ich nur über Erfahrungen an der Uni und nicht an Schulen verfüge, versuche ich das Thema in meinen Erfahrungsbereich zu überführen. Es geht in diesem Blogbeitrag also ausschließlich um den Lernraum Uni. Ich unterscheide im Beitrag nicht zwischen Laptop- und Tablet-PC sondern spreche im folgenden Text vom mobilen Computer bzw. vom mobilen PC.

Eine weitere Auffassung teile ich mit Herrn Döbeli Honegger. Es wäre eine wunderschöne Zukunftsvision, wenn künftig alle Studenten ihren eigenen mobilen PC in die Lehrveranstaltungen mitbringen würden. „Bring your own Device“, das klingt toll.

Und schon stößt man auf die erste und sehr massive Hürde, wenn man mobiles Lernen einführen möchte: Chancengleichheit. Diese Erfahrung habe auch ich in meinen Vorlesungen gemacht. Wie ich inzwischen weiß, haben zwar alle Studenten meines Kurses einen Computer, doch höre ich Argumentationen wie: “Was, wenn es Studenten gibt, die keinen Laptop haben?”.

Ja, das ist natürlich richtig! Der Seminarraum soll nicht zum Parcours des Kräftemessens werden unter dem Motto: „Meine Eltern haben aber mehr Geld als Deine“, oder „Ich habe aber mehr Geld als Du, daher habe ich das leistungsfähigste Endgerät“. Durch solche Vorgaben werden Studenten genötigt, beim digitalen Wettbewerb mitzuhalten, was indirekt die Studiengebühren in die Höhe treiben würde. Das ließe sich – zumindest an deutschen Unis – nur äußerst schwer umsetzen. Und auch die Möglichkeit, sich ein Gerät zu leihen erspart der betreffenden Person nicht die Peinlichkeit, zugeben zu müssen, dass zu wenig Geld für die Anschaffung eines Lerngerätes da ist.

Die einzige Möglichkeit die ich hier sehe, ist für alle Studierenden das gleiche Gerät anzuschaffen, das entsprechend günstig ist und über einen Fonds finanziert wird. Es bräuchte dann nur eine Leihgebühr und ein einkommensabhängiger Abnutzungsbeitrag gezahlt werden. Studenten die nicht über ausreichende Mittel verfügen, könnten von den anderen unbemerkt einen Antrag auf Erlass des Beitrags stellen. Bis sich allerdings solche oder ähnliche Strukturen etabliert haben, dürfte noch etwas Zeit ins Land gehen.

Für die flächendeckende Einführung von mobilen PC an deutschen Unis spielen aus meiner Sicht neben einer Finanzierungsmöglichkeit, welche die Chancengleichheit von finanziell nicht so gut gestellten Studierenden berücksichtigt noch 4 weitere wichtige Faktoren eine Rolle.

Der Preis

Tablets kosten derzeit zwischen 150 und 700 Euro. Hier ist der Tablet-PC klar im Vorteil, denn für einen Laptop muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen. Doch auch hier gibt es bereits Geräte ab 350 Euro. Hinzu kommt, dass bei einer Abnahme von mehreren Geräten vom Hersteller Rabatt gewährt wird.

Benedikt Sutter-Bonaparte schreibt dazu im virtuellen Studienraum der opco12: „In den Schulen wird viel Geld für Computerräume, Bibliotheken, Schulbücher und vor allem Kopien ausgegeben. Damit lassen sich Endgeräte für die Schüler locker finanzieren.“ Ähnliches gilt auf für Unis.

Die Aussage von Herrn Sutter-Bonaparte impliziert, dass bereits jetzt die Lehrstätten einen finanziellen Beitrag leisten (Computerräume, Bibliotheken) und die Lerner ebenfalls bereits jetzt in ihre Bildung investieren müssen (Kopien und teilweise auch Bücher werden in Schulen und Unis von den Lernenden/Studierenden getragen). Ein Fonds-Modell könnte auf der derzeitigen Situation aufbauen und diese zugungsten der Lernenden/Studierenden verbessern.

Die räumlichen Gegebenheiten

Ein weitere Herausforderung liegt in den Ladezeiten. Ein normaler moblier PC hat eine Laufzeit zwischen 2 und 8 Stunden. Häufig kann es vorkommen, dass Studenten ihr Gerät gerade nicht aufgeladen haben, oder der Akku während der Veranstaltung leer wird. Neben einer Ausstattung mit den Geräten selbst sind also auch ausreichend Steckdosen nötig, um einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten.

Die Arbeit mit Tablets wenn sich nicht an jedem Platz eine Steckdose befindet bedeutet mehr Unruhe im Seminarraum, da Studenten die Plätze wechseln müssen, wenn ihre Geräte aufgeladen werden.

Plattformneutralität

Wenn man davon ausgeht, dass Lernen am mobilen PC sich nicht darauf beschränkt, interaktive Programme anzuschauen, sondern auch selbst etwas zu tun und eigene Erfahrungen zu sammeln, so wird es nötig, dass die Arbeitsergebnisse auch auf anderen Geräten gespeichert werden können.

Plattformneutralität ist daher eine Voraussetzung für die Arbeit mit mobilen PC. Ebenso sollte eine Möglichkeit vorhanden sein, die Arbeitsergebnisse auszutauschen (one to one computing) sowie auf einem virtuellen Device z.B. Dropbox zwischenzuspeichern.

Definition von Plattformneutralität auf Wikipedia

Definition von Plattformneutralität bei e-teaching.org

Neue Lehr- und Lernformen

Ein Arbeitsgerät nutzt nicht viel, wenn es nicht aktiv in das Seminar integriert ist. Claudia Bremer schreibt dazu: „ich glaube nicht, dass wir dann immer unbedingt flipped classroom machen sollten, sondern z.B. Vortrag/Einleitung, Anwendung am Tablet/Laptop, ggf auch in Gruppen, dann Reflexion im Plenum.“

Das wäre eine Möglichkeit, den mobilen PC in die Lehrveranstaltung zu integrieren. Sicher gibt es hier noch viele weitere Lernformen. Mögliche weitere Anwendungsmöglichkeiten für den mobilen PC an der Uni wären:

  • Interaktiv und Live an der Vorlesung teilnehmen
  • An Übungen teilnehmen
  • Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen
  • Die Integration anderer Lern -Orte und -Zeiten
  • Die Integration zusätzlicher Lernmedien

Die Anwendung von mobilen PC in Lehrveranstaltungen finde ich persönlich am interessantesten. Ich würde mich über weitere Diskussionen im Rahmen der opco12 sehr freuen.

Links

Beat Döbeli Honegger: Tablets sind ein Hype

Jasmin Hamadeh: Tablets und co

Gaby Reinmann: Tablets, Apps und das Internet der Dinge

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Ein Kommentar zu Mobile Computing an der Uni

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob BYOD die Chancengerechtigkeit wirklich verschlechtert. Bereits jetzt ist es so, dass privat sich die einen Studierenden ein teureres digitales Gerät leisten können als andere. Die Uni kümmert sich jedoch nicht drum, da das Gerät offiziell in den Veranstaltungen nicht eingesetzt wird bzw. werden muss. Würde nun die Uni eine BYOD-Policy ausrufen, dann müsste sie sich um Chancengerechtigkeit kümmern, indem sie z.B. bestehende Mechanismen z.B. zum Studiengelderlass auch für die finanzielle Unterstützung von mobilen Geräten nutzen würde.

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