Educamp 2011 und ein Erscheinungsbild für das Projekt freie Bildungsmedien

Wenn Lehrer Bildungsmedien für Ihren Unterricht zusammenstellen, finden Sie katastrophale Verhältnisse vor. Die Medien der Schulbuchverlage dürfen zwar kopiert, aber nicht digitalisiert werden. Eine sinnvolle Erstellung von Lernmaterialien unter dem Motto „Aggregate, Remix und Repurpose“ ist daher erschwert. Ein weiteres Problem ist, dass zusammengestellte Materialien einzelne Bilder und Texte enthalten, die dem Copyright unterliegen. Selbst wenn diese Unterlagen zur freien Verwendung ins Netz gestellt werden, so sind einige darin enthaltene Teil-Inhalte doch nicht frei. Sie dürfen daher nicht verwendet werden.

Eine Lösung wäre die Bereitstellung von offenen Bildungsmedien. Diese stehen in Deutschland aber gerade im schulischen Bereich im Verruf, mindere Qualität oder Plagiate zu liefern. Hinzu kommt, dass sie nur schwer auffindbar sind. Zur Weiterentwicklung freier Bildung müssen Lösungen gefunden werden, die von einer großen Community getragen und umgesetzt werden. Nur so kann sich etwas verändern. OER – Open Educational Resources, ist in anderen Europäischen Ländern bereits ein Begriff. In Deutschland sind entsprechende Bemühungen noch sehr unterrepräsentiert. Eine interessante Lösung wurde mit der Creative Commons Lizenz geschaffen. Urheber haben die Möglichkeit selbst zu wählen, welche Rechte die Nutzer ihrer Medien haben sollen.

Motivationsfilm für Creative Commons from Amadeus Wittwer on Vimeo.

Auf dem Educamp 2011 das vom 18. – 20. November in Bielefeld stattfand, gab es mehrere Sessions zum Thema. Auch ich selbst bot am Sonntag, den 20.11.2011 – einem Schnapszahlendatum – eine Session an. Es war meine erste selbst gehaltene Session auf einem BarCamp und ich war begeistert, welche Eigendynamik das spontane Treffen mehrerer Menschen hat, die gemeinsam an einer Sache arbeiten. Im Etherpad des Educamps findet sie sich unter der Bezeichnung „Session 10: OER – Logo“.

Ein neues Logo für den deutschsprachigen Raum muss her

Inhaltsangabe meiner Session

Ich erkläre mich also bereit, mich auf ein für mich neues Experiment einzulassen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen, beginne ich, ein Logo zu entwickeln. Zunächst sammele ich „Leitbegriffe“, die für die Aktion stehen. Die Zusammenfassung der Begriffssammlung ergibt folgendes Bild:

  • Community / Partizipation / Teilhabe
  • Offenheit / Freie Zugänglichkeit
  • Unbeschränkte Verfügbarkeit, Reichtum
  • Dezentralität
  • Mesh up (Freiheit von Lehrenden, das Material für ihre Zwecke zu verändern)
  • Aktives hineingeben von Inhalten, ändern von Inhalten und nutzen (Aggregate, Remix, Repurpose)
Session von Sabine Hueber, @designeon auf dem EduCamp 2011

Session von Sabine Hueber, @designeon auf dem EduCamp 2011

Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob ein völlig neues Logo benötigt wird, da es bereits das OER-Label gibt. Da OER als Kürzel nicht sehr eingängig ist und nur von „Insidern“ verstanden wird, suchen wir eine neue Bezeichnung für den deutschsprachigen Raum.

Ein weiteres Brainstorming bringt Wort-Assoziationen zu Tage: Shared Learning, Shared Education, Free Educational Ressources, Open Education, SharEducation, Shareducation, Eduprocess, Eduressources, Freie Bildungsmedien, Offene Bildungsmedien, CC, SharEduCC.

Viele Begriffe sind in englischer Sprache. Ich bin gespannt, welcher der Begriffe das Rennen machen wird, denn ich sehe mich im Gestaltungsprozess nur als Moderator, der die Ideen der Gruppe aufgreift und in visuelle Kommunikation umsetzt.

Klar ist auch, dass wir ein Icon benötigen, das als Sinnbild für die Aktion steht. Es soll Zweck und Ideal von freien Bildungsmedien verdeutlichen, zum Mitmachen anregen und die deutschsprachige Community zusammenführen.

Ist eine Unterlage nicht gekennzeichnet, so besteht die Pflicht zu fragen, unter welcher Lizenz sie steht. Bestmöglich wäre es, dass alle freien Bildungsmedien mit einem Emblem gekennzeichnet sind, sodass sie jederzeit auffindbar sind.

Zuletzt noch ein Impuls von Thorsten Larbig aus der Session:

(Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Thorsten Larbig – auch bekannt unter „Herr Larbig“ – Deutschlehrer ist.)

Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Conrad Ferdinand Meyer

Ich werde mich jetzt mit all den anregenden Impulsen in mein stilles Kämmerlein begeben, sie verinnerlichen und in Visuelles umwandeln. Ich bin selbst gespannt, was dabei herauskommt.

Quellen und weiterführende Links zum Thema

Etherpad mit einem Überblick aller Sessions auf dem Educamp

Mitschrift der OER-Logo Session

Artikel von Thorsten Larbig zum Projekt

CC-Lizenzen für offene Bildungsmedien

Artikel bei Heise über das Projekt Freie Bildungsmedien

Webseite von OERCOMMONS

Wie ist die Creative Commons Lizenz gestaltet? (Link zur deutschsprachigen CC-Seite)

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Ein Kommentar zu Educamp 2011 und ein Erscheinungsbild für das Projekt freie Bildungsmedien

  1. Anja Lorenz sagt:

    Nur kurz zu Deinen/Euren Gedanken wegen der Namensgebung: Ich habe keine überragende Idee, will aber vor neuen Unwörtern warnen. Als ich Eduressources gelesen habe bin ich gestolpert. Nehmt entweder einen klaren Begriff, wie freie Bildundsressourcen o.ä., oder ein gekonntes Wortspiel. Wenn man schon erklären muss, was es bedeutet, sollte der Begriff dann aber eingängig sein. Ansonsten: Coole Initiative, wenn ich etwas Freizeit am Horizonz sehe, klinke ich mich vielleicht mit ein.

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